Generika: So werden sie zugelassen und auf Sicherheit geprüft

Generika: So werden sie zugelassen und auf Sicherheit geprüft

Wenn Sie in der Apotheke ein Rezept einlösen, bietet man Ihnen häufig ein günstigeres Präparat an, das denselben Wirkstoff enthält wie das vom Arzt verordnete Original. Dabei handelt es sich um sogenannte Generika – Arzneimittel, die nach Ablauf des Patentschutzes des Originalpräparats von anderen Herstellern produziert werden dürfen. Viele fragen sich, ob Generika genauso sicher und wirksam sind wie das Original. Die Antwort lautet: ja – aber erst nach einer sorgfältigen Zulassung und umfassenden Prüfungen. Hier erfahren Sie, wie dieser Prozess in Deutschland abläuft.
Was sind Generika?
Generika sind Nachahmerpräparate eines bereits zugelassenen Arzneimittels, dessen Patentschutz abgelaufen ist. Sie enthalten denselben Wirkstoff in gleicher Dosierung und Darreichungsform wie das Original. Unterschiede gibt es meist nur im Aussehen, im Namen oder in den verwendeten Hilfsstoffen – nicht jedoch in der medizinischen Wirkung.
Ziel von Generika ist es, Patientinnen und Patienten eine kostengünstige, aber gleichwertige Behandlung zu ermöglichen. Damit das gelingt, müssen sie denselben Qualitäts-, Wirksamkeits- und Sicherheitsstandards entsprechen wie das Originalpräparat.
Der Zulassungsprozess – Schritt für Schritt
Bevor ein Generikum in Deutschland auf den Markt kommt, muss es von den zuständigen Behörden zugelassen werden. Zuständig ist in der Regel das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) oder – bei europaweiten Verfahren – die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Die Zulassung erfolgt nach klar definierten Schritten:
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Nachweis der Bioäquivalenz Der Hersteller muss belegen, dass das Generikum im Körper in gleicher Weise aufgenommen, verteilt und ausgeschieden wird wie das Original. Dazu werden sogenannte Bioäquivalenzstudien durchgeführt, bei denen die Wirkstoffkonzentration im Blut von Probanden gemessen wird. Die Ergebnisse müssen zeigen, dass die Unterschiede innerhalb enger Grenzen liegen.
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Qualitätskontrolle der Herstellung Die Produktion muss den internationalen Richtlinien der Guten Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice, GMP) entsprechen. Das bedeutet, dass Rohstoffe, Produktionsprozesse und Endprodukte streng kontrolliert und dokumentiert werden. Jede Charge muss rückverfolgbar sein.
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Bewertung von Sicherheit und Verträglichkeit Auch wenn der Wirkstoff bereits bekannt ist, müssen Hersteller nachweisen, dass die verwendeten Hilfsstoffe keine neuen Risiken verursachen. Die Behörden prüfen alle Daten sorgfältig, um sicherzustellen, dass das Generikum genauso sicher ist wie das Original.
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Zulassung und laufende Überwachung Nach erfolgreicher Prüfung erhält das Generikum eine Zulassung zum Inverkehrbringen. Doch die Kontrolle endet hier nicht: Über das europäische Pharmakovigilanz-System werden Nebenwirkungen und Qualitätsprobleme kontinuierlich überwacht. Ärztinnen, Apotheker und Patientinnen können Verdachtsfälle melden, die dann von den Behörden ausgewertet werden.
Prüfung auf Sicherheit und Wirksamkeit
Das zentrale Kriterium für die Zulassung eines Generikums ist die Bioäquivalenz. Sie stellt sicher, dass das Generikum dieselbe therapeutische Wirkung entfaltet wie das Original. In klinischen Studien mit gesunden Freiwilligen werden die Blutspiegel beider Präparate verglichen. Liegen die Werte innerhalb des international anerkannten Bereichs von 80 bis 125 Prozent, gelten die Arzneimittel als gleichwertig.
Darüber hinaus werden Stabilität, Haltbarkeit und Verpackung geprüft, um sicherzustellen, dass das Medikament während der gesamten Lagerzeit seine Qualität behält.
Warum sind Generika günstiger?
Generika sind preiswerter, weil ihre Hersteller keine kostenintensive Grundlagenforschung und klinische Entwicklung mehr finanzieren müssen – diese Arbeit hat der Originalhersteller bereits geleistet. Nach Ablauf des Patentschutzes dürfen andere Unternehmen den bekannten Wirkstoff verwenden, was den Wettbewerb erhöht und die Preise senkt.
In Deutschland tragen Generika erheblich dazu bei, die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen zu senken. Laut Schätzungen stammen mehr als drei Viertel aller abgegebenen Packungen in Apotheken von Generikaherstellern.
Unterschiede in der Anwendung
Obwohl Generika denselben Wirkstoff enthalten, können sie anders aussehen – etwa in Farbe, Form oder Verpackung. Das liegt an unterschiedlichen Hilfsstoffen oder Designs. Manche Patientinnen und Patienten bemerken diese Unterschiede, doch sie haben keinen Einfluss auf die Wirksamkeit.
Wenn Sie unsicher sind, warum Sie ein anderes Präparat erhalten haben, können Sie in der Apotheke nachfragen. Das pharmazeutische Personal kann erklären, dass das Generikum medizinisch gleichwertig ist und nach denselben hohen Standards geprüft wurde.
Ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsversorgung
Generika sind ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Sie ermöglichen eine hochwertige medizinische Versorgung zu bezahlbaren Preisen und entlasten gleichzeitig die Solidargemeinschaft. Dank der strengen Zulassungs- und Kontrollverfahren können Patientinnen und Patienten darauf vertrauen, dass Generika genauso sicher und wirksam sind wie die Originalpräparate.
Wer sich für ein Generikum entscheidet, wählt also nicht die „billigere Kopie“, sondern ein gleichwertiges Arzneimittel, das nach höchsten Qualitätsstandards geprüft und zugelassen wurde.














